Was ist gelebte Spiritualität?

Vereinfacht gesagt ist in der Praxis umgesetzte Spiritualität eine Kunst der Lebensführung. Was auch die Schicksalsbewältigung betrifft – von der Existenzbewältigung bis zur Krisenbwältigung aller Art. Von Psyche und Denken, über den Körper und hin zum Geist.

Wobei nun der Geist zweierlei sein kann: Ein seelischer Inhalt, oder aber bloß ein Inhalt von dunkler Art oder Übertreibungen des Ego-Schutzbedürfnisses. Irgendwo brauchen wir eine Persönlichkeit. Eine Art substantiell eingeübtes Verhalten, das in Notsituationen (dualistische Wirklichkeit!) spontan abrufbar ist. Tatsächlich jedoch bewegen sich die meisten Menschen in einem psychischen Dauer-Notstand. Dabei ist der Verstand oftmals das einzige Instrument der Wahrnehmung (ein gedachtes, nicht gelebtes Leben). Wie oft fällt mir zB auf, dass andere Leute beim Smalltalk beim Frühstückstisch über andere Leute, die sie als Bekannte oder Verwandte haben, lästern? Als müsste  immer irgendwo ein Haar in der Suppe zu finden sein.

Spirituell nennt man wohl das, was höhere Ziele verfolgt. Diese Ziele ergeben für den spirituell interessierten das A und O. Diese Ziele ergeben sich von Selbst, sie wohnen der Natur aller Dinge inne. Man kennt den Spruch: Es ist kein Suchen nötig, sondern ein Finden.
Diese Ziele oder Ideale erscheinen den Betrachter als massgeblich, um eine Navigation durch alle möglichen Fragen des Lebens zu ermöglichen: Wie man mit Leiden ebenso umgeht, wie mit dem Glück von kurzer Art. Und das ist es, wonach der Mensch sucht: Ein Ziel, das erstrebenswert ist, dessen Glück bereits auf dem Weg greifbar ist. Als ein Gefühl von belebender Sinnhaftigkeit. Was in Wahrheit ein sehr dauerhaftes Glück ist.

Als schiene die Sonne
über ein finsteres Tal und es
erfüllt die Seele
mit Zuversicht,
sich offen heraus bewegend,
einen Geist in den Menschen zu geben,
die Ohnmacht der Vergänglichkeit aufzugeben.

Wie fühlt sich ein depressiver Mensch an? Er ist das Extrem dessen, was hier auf der Erde möglich ist.
Wie fühlt sich ein höheres Wesen auf der Erde an? Es ist das Extrem dessen, was hier auf der Erde möglich ist.
Beides mag realistisch gesehen für uns nicht greifbar sein, aber die Richtung mag für uns stimmen.

So haben wir die Wahl zwischen Dunkelheit und Licht.

Nachdem nun der Sinn für Spiritualität geklärt ist (warum überhaupt spirituell sein?), steht die Frage noch offen: Was ist gelebte Spiritualität?

Es ist, wenn man das Licht nicht nur denkt, sondern daran teilhaben kann. Weil man eine andere, bessere Stufe der Erfahrung gewinnt, so erscheint Spiritualität als gelebt.

Man kommt dem Ziel näher. Durch jedwede Anstrengung und Bemühung, die in Wahrheit mit Leichtigkeit verbunden ist (wenn man nur genügend loslassen kann; aber dieses Loslassen ohne in Verdriesslichkeit zu geraten ist eben eine Mühe weil es für den Augenblick unvertrautes Neuland bedeutet. Wer ein bisschen gelebt hat, weiss aber das Abenteuer von Neuland zu schätzen im Gegensatz zu der ewigen Kontinutität des Alltagstrotts). Wozu sollte man sich bemühen? Das Licht weiter auszubreiten, und nicht am Dunklen teilzuhaben. In dem Verwirrspiel von Vorstellungen, die das Licht verdunkeln, oder Ängsten, die ein Abgrund sind.

Wenn die Alternative zu offenkundig lichtvoll ist, wie leicht ist es dann nein zu sagen, „Nein zu der Verführung“? Vielleicht muss man gar nichtr mehr „Nein“ sagen, sondern wendet sich ohne weiteres ab.
Man wird immer verführt. Etwas zieht uns an. Ob Abgrund oder die Ausbreitung des Lichtes? Wohin wird man verführt –  das ist die Frage.

Wenn man Spiritualität wirklich lebt, ist man keinem Idealbild verfangen. Man hat sich frei gemacht, und ist autark genug, um sich zu sagen: es ist mein Weg, meine Realität, ich muss mir meine Anschauungen bilden.   Gleichwohl ist man bestrebt hinzuzulernen, weil man erkannt hat, „es ist mein Weg, ich muss nehmen, was mir tauglich ist“. Irgendeine Anbetung oder Ablehnung anderer Personen findet auf einem höheren Niveau dieser Spiritualität nicht mehr statt.
Damit wäre man frei von jeder Willkür, und hätte auch mehr Zeit, über das eigentliche Wissen nachzudenken: Wie sehr es einen nützt oder nicht. Man bewundert jene, die ein Wissen wählen, das für einen selbst nicht richtig ist, aber spirituelle Ziele verfolgt. Oder bewundert man in Wahrheit nur die Vielfältigkeit, die das Leben mit bringt? Jedenfalls findet man mehr Gefallen daran, etwas toll zu finden, statt vieles was Menschen tun als hohl und geradezu blöd zu entwerten. Dieses dauernde Werten erscheint den spirituell Strebenden immer mehr als der grösste Wahnsinn, in den Menschen gefangen sein können – weil es so leicht zu einem Dauerzustand der inneren Leere wird.

Es zeigt sich, dass jeder Mensch ganz unterschiedliche Standortbestimmungen hat, manche sind weiter als andere, was die Möglichkeit angeht, in höhere Welten Einblick zu erhalten, Visionen zu erhaschen oder ähnliches. Aber noch mehr, ist jeder auch anders mit Erfahrung und Lebensgeschichte gewappnet, und es wird  in der Spiritualität der Bewusstseinserweiterung  der Weg sehr subjektiv sein. Eigene Stärken und Schwächen, damit Ausgangspunkte zu haben, und eigene Symbole und Erinnerungen, die ihm im Leben schon immer den Weg wiesen (die Resonanz weist immer auf etwas hin, das sich kristallisieren konnte: Ego oder Seele). Reiz- und Reaktionsmuster können zum Verhängnis werden, indem sie uns im Kreise drehen lassen. Spirituell ist eine Befreiung daraus, wenn es nicht in neue Kreisbahnen führt, und wir auf mittel- und langfristige Sicht eine Aufwärtsbewegung erfahren. Ein spirtueller Krieger ist sogar jemand, der versucht auf lange Sicht ohne Schaden Einzelner eine Aufwärtsbewegung größten Ausmaßes zu vollbringen. Bevor ein Mensch aber glaubt, er wäre der Beste auf diesem Gebiet, sollte er sich mit der Sonne vergleichen oder danach in der Hierarchie mit Gott, bevor er an seiner Eitelkeit zerbricht. Selbstbilder, Rollenbilder, oder Eitelkeit, das erscheint den spirituell Strebenden als Ausdruck einer Schieflage im Bewusstsein, als unnötiger Umweg und Irrweg.

Diese Wege müssen von jedem selbst gefunden werden. Wie der nächste Schritt aussieht, kann man nur selbst wissen. Es gibt dazu keine Anleitung – das ist das, was hier auf Erden geschieht: Der freie Wille und das Leiden. Den Willen richtig zu lenken ist die von Natur oder Gott gestellte Aufgabe (und tendenziell wird der spirituell strebende Mensch denken, es ist im Zweifelsfall immer besser, nicht zu handeln und keine Spuren in der Welt zu hinterlassen). Die Matrix der lebenden Wesen ist sehr fein und dünnhäutig. Die spirituellen Grenzen unserer Kultur liegen genau dort, wo ein Mensch unnötig viel Gewalt erfährt, und von senem Weg abkommt, ein Mensch zu sein (bzw. mit animalischen/raubtierhaften Zügen)… – d.h. die Kultur, in der wir leben, ist geradezu antispirituell. Dabei geht es nicht nur um Materialismus, sondern wie man Umstände einrichtet, die das Leben eines Einzelnen geradezu entleeren wollen.

Jemand begeht größte Torheiten, indem er sich auf eine Vorstellung beruft, die ihm die Torheit schmackhaft macht: zB eine Selbstlüge.

Aber über allem wird der spirituell Strebende erkennen, dass das Gefühl das Wichtigste ist, mit dem sich einschätzen lässt, in welcher Richtung man weiter gehen will. Manche Schamanen sagen dazu, der Weg, welchen auch immer man gehen will, muss ein Weg mit Freude sein. Wieso sollte man auch etwas tun, was einem keine Freude macht?

Und so haben wir nun viellelicht irgendwann gut erkannt, worum es gehen sollte im Leben. Und um besser in der Umsetzung zu werden, bauen wir auf die kleinen Schritte, und nehmen ohne Skrpuel  jede Herausforderung des Weltlichen erst recht zum Anlaß, um konsequent zu sein. Es geht ums Loslassen der Sorgen und Ängste und anderen Dunkelheiten, die uns immer deutlicher als der Abgrund erscheinen. Ohen dass wir dabei unser Leben aus dem Griff bekommen. Wir können jeden Augenblick ein bisschen besser auf dem Weg sein, und erkennen immer besser, die Herrlichkeit, mit der sich diese neue Weltwahrnehmung ergibt… – einfach eine Wahrnehmung des Hier und Jetzt, ungetrübt von Schatten.

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